Stand: Mon Aug 21 11:59:26 CEST 2017

FAQ Umwelt

1. Papierzertifizierung – Worum geht es?
Eine Zertifizierung im Umweltbereich dient als Orientierungshilfe für die Beurteilung der Umweltleistung eines Produktes. Das ist heutzutage für viele gewerbliche und private Verbraucher wichtig, da die Überprüfung durch unabhängige Dritte durchgeführt wird und somit glaubwürdig ist.
Heutzutage wird die Umweltleistung des gesamten Lebenszyklus von Druckprodukten betrachtet. Nichtsdestotrotz ist und bleibt eines der Kernthemen von Frischfaserpapieren die Diskussion um die Unbedenklichkeit des eingesetzten Zellstoffes bzw. des Holzes, aus dem dieser Zellstoff gewonnen wird. Damit ist der Bezug zum Thema Wald und seine Bewirtschaftung hergestellt.
Die Forstzertifizierung stellt sicher, dass das für die Herstellung des Papiers eingesetzte Holz aus ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltig bewirtschafteten Wäldern, aus legalem Einschlag und nicht aus fragwürdigen Quellen stammt.
Die Produktkettenzertifizierung (Chain of Custody, CoC) stellt sicher, dass die Quellen der Rohstoffe sowie der Materialfluss vom Einkauf der Roh- und Halbfertigware bis zum Verkauf der Endprodukte lückenlos dokumentiert und überwacht werden.


2. Papierzertifizierung - ein Modethema?
Holz- und Papierverbrauch nehmen weltweit zu. Gleichzeitig schwinden Naturwaldflächen. Deshalb wird der verantwortungsbewusste Umgang mit der Ressource Wald bzw. Holz immer wichtiger. Der Schutz natürlicher (Ur-)Waldbestände sowie die nachhaltige Bewirtschaftung von Nutzwäldern sind unverzichtbare Voraussetzungen dafür, dass wir nachfolgenden Generationen eine intakte Umwelt hinterlassen können. Wir sind der Überzeugung, dass der Nachweis über eine in dieser Hinsicht unbedenkliche Rohstoffkette ein dauerhafter Bestandteil auch des Papiergeschäfts bleiben wird.
Die seit vielen Jahren steigende Anzahl an Chain of Custody Zertifikaten und die Vielzahl an zertifizierten Papieren am Markt zeigt, dass es sich hierbei nicht um ein Modethema handelt.


3. Wie hoch ist der Anteil zertifizierter Wälder global, in Europa und in Deutschland?
Der Anteil der – nach welchem System auch immer – weltweit zertifizierten Wälder wird auf knapp 10% der globalen Gesamt-Waldflächen geschätzt. Das sind ca. 30% der Wirtschaftswälder. In Europa liegt der Anteil deutlich höher. Deutschlandweit soll nach jüngsten Angaben über 70% der Waldflächen zertifiziert sein.
Auf die beiden wichtigsten Zertifizierungssysteme, FSC® bzw. PEFC entfallen in Deutschland ca. 545.000 bzw. 7,3 Mio. Hektar, weltweit 149 bzw. 240Mio. Hektar.


4.Steigt die Nachfrage nach zertifizierten Papieren?
Die Nachfrage nach zertifizierten Papieren gewinnt zunehmend an Dynamik: Als die Papierhersteller vor 8-10 Jahren die ersten zertifizierten Papiere auf den Markt brachten, waren die Kunden zwar für den grünen Ansatz offen. Zertifizierte Papiere zu zertifizierten Druckobjekten weiterverarbeiten konnte damals allerdings kaum jemand. Heute gibt es etwa 1300 Chain of Custody Zertifikate im Druck- und Verlagswesen in Deutschland. Hinzu kommt, dass für immer mehr Ausschreibungen oder Druckobjekte mit starker Öffentlichkeitswirkung (Unternehmens-Broschüren, Jahresberichte) der Einsatz von zertifizierten Papieren ausdrücklich vorgeschrieben wird. Die öffentliche Thematisierung durch Umweltverbände und anderen Interessengruppen wirkt bis in die Vorstandsetagen. Und von dort zurück zu den Verantwortlichen für die Beschaffung und deren tägliche Einkaufsentscheidungen. Wer jetzt handelt, kann sich Wettbewerbsvorteile verschaffen.

5. Gibt es ausreichend zertifizierte Papiere am Markt?
Aus den in Frage 3 genannten Zahlen ergibt sich, dass zertifiziertes Holz global und regional nur begrenzt verfügbar ist. Dies gilt in der Konsequenz auch für weiterverarbeitete Produkte wie Papier. Nichtsdestotrotz ist bereits ein Großteil des von Papier Union geführten Papiers zertifiziert.


6. FSC® und PEFC –Was ist das?
FSC® und PEFC sind die beiden führenden, internationalen Forstzertifizierungsysteme. Sie stehen für eine verantwortungsvolle Waldbewirtschaftung.
FSC® ist das etwas ältere und von Anfang an global ausgelegte System. Die unabhängige, gemeinnützige Nicht-Regierungsorganisation FSC® wurde 1993 als ein Ergebnis der Konferenz „Umwelt und Entwicklung" in Rio de Janeiro gegründet. FSC® ist die Abkürzung für „Forest Stewardship Council®“. Hinter dem FSC®-Label steckt ein durchgängig zuverlässiger Prozess: Es wurden zehn Prinzipien und 56 Indikatoren entwickelt, auf denen die weltweit gültigen FSC®-Standards zur Waldbewirtschaftung basieren. Wälder, die nach diesen Standards bewirtschaftet werden, können sich mit der FSC®-Zertifizierung auszeichnen lassen.
PEFC bezeichnet sich als transparentes und unabhängiges System zur Sicherstellung einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung und damit als einen weltweiten "Wald-TÜV". PEFC ist die Abkürzung für die englische Bezeichnung "Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes", auf Deutsch "Programm für die Anerkennung von Waldzertifizierungssystemen", das über Ländergrenzen hinweg ein Ziel verfolgt: die weltweite Verbesserung der Waldnutzung und Waldpflege. Alle vom PEFC anerkannten nationalen Systeme basieren inhaltlich auf derselben Herkunft: auf den Beschlüssen, die auf den Nachfolgekonferenzen der Umweltkonferenz von Rio gefasst wurden.
PEFC wirbt damit, als Zertifizierungssystem auch für den kleinstrukturierten Privatwald ausgerichtet zu sein, indem diese an sogenannten Regional-Zertifizierungen teilnehmen. In anderen PEFC Mitgliedsystemen bietet PEFC die Möglichkeit einer Gruppenzertifizierung an.
Waldbesitzer können sich also zusammenschließen und die Gesamtwaldfläche zertifizieren lassen.

FSC® bietet diese Möglichkeit ebenfalls an, die Anzahl der Prüfungen auf der Fläche ist bei FSC® zertifizierten Betrieben jedoch deutlich größer. Beide Systeme stellen umfangreiche Regelwerke auf, deren Einhaltung durch unabhängige, akkreditierte Zertifizierer überwacht werden. Dies gilt für die Bewirtschaftung des Waldes, für die Verarbeitung und den Vertrieb des Holzes in der nachfolgenden Produktkette, sowie für die werbliche Auszeichnung der Folge- bzw. Fertigprodukte, z. B. Papier!
Grundsätzlich müssen alle Glieder der Produktkette (CoC) zertifiziert sein: Vom Waldbesitzer über die Verarbeiter (Zellstoff/Papierfabrik) und Distributoren (Papiergroßhandel) bis zum Weiterverarbeiter (Drucker). (Siehe hierzu auch Fragen 11 bis 16.)
Weiterführende Infos finden Sie auf den Webseiten www.FSC-deutschland.de bzw. www.pefc.de


7. Gibt es auch andere Zertifizierungssysteme?
Ja. Sie haben aber nur nationale Bedeutung. Viele von Ihnen sind vom PEFC anerkannt. D.h., dass Holz, das nach den nationalen Systemen zertifiziert ist, zur Produktion PEFC zertifizierter Produkte eingesetzt werden kann. Auf dem europäischen Markt sind fast ausschließlich Papiere zu finden, die nach FSC® oder PEFC zertifiziert sind.


8. Warum gibt es überhaupt mehrere Zertifizierungssysteme?
Organisationen verschiedener Interessengruppen gibt es überall. Hinzu kommen unterschiedliche Beweggründe und verschiedene Rahmenbedingungen wie die Klimazone, die Politik und der Entwicklungsstand des jeweiligen Landes.
Letztlich gilt: Wettbewerb belebt den Markt. Durch die Existenz verschiedener Systeme werden diese immer weiter entwickelt.


9. Welches sind die Unterschiede zwischen FSC® und PEFC?
Für eine detaillierte Beantwortung verweisen wir auf die Homepages beider Systeme (Adressen siehe Frage 6). Generell kann man sagen, dass das Ziel beider Systeme eine nachhaltige Waldbewirtschaftung unter ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Aspekten ist. Dabei liegt der Schwerpunkt auf dem Gleichgewicht zwischen Wachstum und Entnahme, der Schutzfunktion des Waldes, der Gesundheit und Vitalität des Waldes und der biologische Vielfalt. Die Überwachung erfolgt bei beiden durch unabhängige Dritte.
Grundsätzlich kann der Verbraucher sowohl bei FSC®- als auch bei PEFC-zertifizierten Papieren davon ausgehen, dass bei der Herstellung weder Primärwälder gerodet, noch bedrohte Tier- oder Pflanzenarten systematisch vernichtet oder so genannte indigene Bevölkerungsgruppen („Eingeborene“) misshandelt bzw. aus ihren angestammten Lebensräumen vertrieben wurden.
Vergleicht man die Waldbewirtschaftungskriterien verschiedener Länder eines Systems miteinander, sind die Unterschiede oftmals größer als wenn man die FSC® und PEFC Kriterien eines Landes miteinander vergleicht. Die größten Unterschiede sind also in der Administration, bei der Unterstützung durch die Umweltgruppen und den Kosten zu finden, denn die Anzahl der Prüfungen im Wald ist bei FSC® größer. Hinzu kommt die Anzahl zertifizierter Flächen weltweit. Hier liegt der PEFC deutlich an der Spitze (Daten siehe Frage 3). Auch in Europa hat der PEFC deutlich mehr zertifizierte Waldfläche zu bieten, was dazu führt, dass die Transportwege des Rohstoffes bei PEFC zertifiziertem Papier oft kürzer sind. Geht es um die Anzahl CoC zertifizierter Betriebe, hat der FSC® dem PEFC einiges voraus.


10. Umweltverbände behaupten, FSC® sei besser als PEFC. Stimmt das?
Umweltschützer und Gewerkschafter favorisieren den FSC®-Standard wegen der genannten Gründe (Prüfdichte, 3-Kammer-System, Glaubwürdigkeit der Akkreditierung). Ein weiteres Argument ist, dass der FSC® die Rodung von Primär- bzw. HVCF*-Wäldern sowie deren Umwandlung in Holzplantagen kategorisch ausschließt bzw. ihre sonstige wirtschaftliche Nutzung nur in sehr engen Grenzen erlaubt. Dies ist vor allem in den Regionen der Welt wichtig, in denen die natürlichen Waldbestände besonders bedroht sind (z. B. Südamerika, Südostasien oder Russland). Auch ist beim FSC® z. B. der Einsatz genetisch veränderter Pflanzen- bzw. Baumarten grundsätzlich nicht erlaubt.
Befürworter verweisen schließlich auf die internen, basis-demokratischen Entscheidungsstrukturen des FSC®. Das System des FSC® beruht auf drei Kammern: Umwelt, Wirtschaft und Soziales. Wenn eine einzelne Kammer ein geschlossenes Votum abgibt, kann sie nicht durch die anderen Kammern überstimmt werden. Die Attraktivität dieser Konstellation für die Umweltorganisationen (in der Umweltkammer) liegt auf der Hand.
Befürworter des PEFC betonen, dass die Zielsetzung dieses Systems mit FSC® durchaus vergleichbar ist. Gleichzeitig sei PEFC aber leichter durchzuführen und kostengünstiger (s.o.). Insbesondere die kleinen und mittleren Waldbesitzer sehen für sich den Vorteil in der so genannten Regionalzertifizierung des PEFC, die durch eine geringere Prüfdichte, fehlende interne Audits und weniger Stichproben mit geringeren Kosten verbunden ist.
Auch beim PEFC wird in institutionellen Gremien den ökologischen und sozialen Gesichtspunkten Rechnung getragen. Die entsprechenden Interessengruppen haben das Recht auf Anhörung. Allerdings ist eine Überstimmung der Waldbesitzer im PEFC grundsätzlich ausgeschlossen.
Unter dem Strich haben beide Systeme das Ziel, ökologische, wirtschaftliche und soziale Nachhaltigkeitsziele zu fördern.
Nach Einschätzung der Papier Union ist der FSC® nach heutigem Stand das faktisch restriktivere und im Markt bevorzugte System.
* HVCF: High Value Conservation Forest, besonders artenreicher, schützenswerter Wald


11. Muss ich als Druckerei zertifiziert sein, um FSC®-oder PEFC-zertifizierte Papiere zu verarbeiten?
Grundsätzlich kann jede Druckerei zertifizierte Papiere verarbeiten. Wenn Sie das Druckobjekt allerdings mit dem FSC® oder PEFC Label kennzeichnen will, oder es auf Rechnungen und Lieferscheinen als zertifiziert deklariert, muss auch die Druckerei zertifiziert sein. Lediglich den Hinweis zu geben, dass das für das Druckobjekt eingesetzte Papier FSC®/PEFC-zertifiziert ist (ohne die Nutzung des Logos bzw. des Logolizenzcodes), ist für zertifizierte und unzertifizierte Betriebe unzulässig.
Wenn dagegen entsprechende Hinweise auf den Druckobjekten nicht notwendig oder beabsichtigt sind und das Druckobjekt nicht als FSC®/PEFC-zertifiziert deklariert werden soll, ist eine Zertifizierung der Druckerei nicht notwendig, auch wenn zertifiziertes Papier eingesetzt wird.


12. Ich habe gehört, dass eine Kennzeichnung des Produktes auch ohne Zertifizierung der Druckerei zugelassen ist.
Es wurden im Verlagsgeschäft vereinzelt Konstellationen unter dem Stichwort „Lohndruck“ diskutiert. Dies betrifft Szenarien, in denen der Druckbetrieb das Papier nicht selbst kauft, sondern im Auftrag eines Verlages druckt. In diesen Fällen muss der Drucker unter bestimmten Umständen nicht selbst zertifiziert sein. Wir empfehlen hierzu die vorherige Kontaktaufnahme mit dem Zertifizierer des Verlages.


13. Muss ich als Verlag zertifiziert sein, wenn ich auf den Verlagsobjekten Hinweise auf FSC®/PEFC anbringen möchte?
Vereinfacht dargestellt kann man sagen dass derjenige, der das Papier einkauft und weiterverarbeitet eine eigene Chain of Custody haben muss. Es ist also möglich, dass eine Druckerei im Auftrag eines Verlages Papier einkauft und auf Grundlage seiner Chain of Custody das Papier als zertifiziert deklariert. Wenn Sie als Verlag das fertige Druckobjekt kaufen und die Zertifizierung des Druckobjektes bewerben möchte, sollten sie sich mit dem FSC® / PEFC wegen einer Registrierung zur Logonutzung in Verbindung setzen. Damit gehen Sie eventuellen rechtlichen Problemen aus dem Weg.


14. Muss ich z. B. als PBS-Großhändler zertifiziert sein, um FSC®- / PEFC-Papiere an meine Einzelhandelskunden verkaufen zu dürfen?
Ja, als Großhändler sind Sie nach dem Modell beider Systeme ein Teil der Produktkette (CoC). Sie müssen deshalb zertifiziert sein. Wenn Sie die Ware allerdings nicht als zertifiziert deklarieren und die Zertifizierung der Produkte nicht bewerben, benötigen Sie keine Zertifizierung. Da die Produktkette dann unterbrochen ist haben die Einzelhändler, die von Ihnen Ware beziehen, allerdings auch keine Möglichkeit, die (ursprüngliche) Zertifizierung des Papiers zu bewerben.


15. Muss ich als Bürofachhändler oder Versandhändler zertifiziert sein, um FSC®- / PEFC-Papiere verkaufen und bewerben zu dürfen?
Nein, als Einzelhandel mit Verkauf an den Endverbraucher (gewerblich oder privat) und damit als letztes Glied der Produktkette (CoC) sind Sie nach beiden Systemen nicht zertifizierungspflichtig. Wenn Sie allerdings für zertifizierte Papiere werben wollen, empfiehlt sich eine Registrierung bei FSC® / PEFC zur Logonutzung (siehe auch Frage 13).


16. Ich möchte meinen Betrieb zertifizieren lassen. Was muss ich dafür tun?
Am besten fordern Sie ein Angebot für eine Zertifizierung von einem akkreditierten Unternehmen an. Eine Liste der Zertifizierer befindet sich auf den Webseiten von FSC® und PEFC.
Im Angebot wird der Zertifizierungsablauf erläutert. Nachdem Sie den Vertrag unterzeichnet haben, erhalten Sie die FSC® und/oder PEFC Standards. Alle für Sie relevanten Punkte der Standards gilt es nun zu verstehen und in Form von Arbeitsanweisungen schriftlich festzuhalten. Hierfür gibt es Berater am Markt, die Sie dabei gerne unterstützen (z.B. die Deutsche Zertifizierungsberatung, www.deutschezertifizierungsberatung.de, der wir an dieser Stelle für die inhaltliche Unterstützung des FAQ danken).


17. Empfiehlt sich eine Zertifizierung nach FSC® oder PEFC?
Viele Unternehmen fordern die Zertifizierung der von Ihnen eingekauften Druckobjekte. Abgesehen davon können Sie die Zertifizierung Ihres Unternehmens und das Angebot von FSC® zertifizierten Druckobjekten als Marketingvorteil nutzen und so gegebenenfalls neue Kunden gewinnen.
Für welches System Sie sich entscheiden, bleibt Ihnen überlassen. Wir verweisen auf unsere obigen Ausführungen zu den Unterschieden beider Systeme. Viele Papierfabriken und auch die Papier Union haben sich nach beiden Systemen zertifizieren lassen. Dies ist sicher auch für Druckereien eine pragmatische Lösung, die nur geringfügig teurer ist.

18. Wie aufwendig sind Einführung und Aufrechterhaltung einer FSC®- / PEFC-Zertifizierung?
Wie aufwendig die Einführung einer CoC-Zertifizierung ist, hängt wesentlich von den Betriebstrukturen und von der Leistungsfähigkeit des von Ihnen verwendeten Warenwirtschaftssystems ab. Der Zertifizierer stellt Ihnen die Standards zur Verfügung, darf Sie aber nicht beraten. Erst wenn Sie die erforderliche Dokumentation erstellt haben, wird das Erstaudit durchgeführt. Zur Dokumentation gehört ein sogenanntes Handbuch, dass die für Sie relevanten Punkte des Standards und die dazugehörigen Arbeitsanweisungen beinhaltet. Hinzu kommen diverse Anhänge wie Mengenbilanzen und Listen für Produktgruppen, Lieferanten und ggf. Dienstleister. Diese Dokumentation muss laufend aktualisiert werden.
Die Kosten, die sich im Wesentlichen aus dem Audit und der Erstellung des Berichtes ergeben, sind u. a. von der Größe des Betriebes und der Anzahl seiner Betriebsstätten abhängig. Für eine mittelständische Druckerei können Sie mit jährlich 1.500 bis 2000 EUR rechnen. Gegebenenfalls kommen die Kosten für einen Berater hinzu, der Sie bei der Einführung und Aufrechterhaltung der Zertifizierung unterstützt. Wie lange der Zertifizierungsprozess dauert ist in erster Linie davon abhängig, wie lange Sie für die Erstellung der Dokumentation brauchen. Soll es schnell gehen, können Sie Ihr Zertifikat innerhalb weniger Wochen in den Händen halten. In der Regel dauert es aber ein bisschen, bis die Unternehmen sich in die Standards eingelesen und die Dokumentation erstellt haben.


19. Woran kann ich erkennen, ob ein Papier FSC®- bzw. PEFC-zertifiziert ist?
Einen ersten Hinweis geben die (meist auf der Verpackung aufgedruckten) Warenzeichen beider Organisationen, die FSC®- bzw. PEFC-Label. Auf den Homepages beider Systeme kann sich jedermann einen umfassenden Überblick über alle zertifizierten Produkt (-gruppen) und Anbieter verschaffen und auch überprüfen, ob der Lieferant dazu berechtigt ist, die jeweilige Produktgruppe als zertifizierte Ware zu handeln.
Offiziell als zertifiziert deklariert ist ein Produkt, wenn auf Lieferschein und Rechnung die Zertifikatsnummer des Lieferanten und die Materialkategorie inkl. Prozent- bzw. Bilanzierungsaussage (z.B. FSC® Mix Credit) angegeben ist (bei Endprodukten darf auf die Deklarierung von Prozent bzw. Credit verzichtet werden.). Nur dann kann ein CoC zertifiziertes Unternehmen die Ware für die Herstellung zertifizierter Produkte einsetzen oder ein registriertes Unternehmen die Zertifizierung des Produktes bewerben.


20. Muss ich diese Angaben überprüfen?
Als zertifiziertes (z. B. Druckereibetrieb oder Großhändler) oder registriertes Unternehmen (z.B. Einzelhändler) sind Sie verpflichtet, die korrekte Deklarierung ihrer Lieferanten auf Lieferschein und Rechnung zu überprüfen. Zertifizierte Unternehmen sind zudem dazu verpflichtet, die korrekte Logonutzung auf dem Produkt zu überprüfen. Sind Sie weder zertifiziert noch registriert, kann Sie niemand zur Überprüfung verpflichten. Dann dürfen Sie die Zertifizierung des Produktes aber auch nicht werblich nutzen.


21. Mir ist aufgefallen, dass es unterschiedliche FSC®- und PEFC-Label gibt. Was hat es damit auf sich?
Beide Systeme unterscheiden nach Produkten aus 100 % zertifizierten, solchen mit anteilig zertifizierten Rohstoffen und solchen, die mit Recyclingfaser hergestellt wurden.
Entsprechend gibt es beim FSC® das 100% Label, das FSC® Mix und das FSC® Recycled Label. Da es für die Papierindustrie nur schwer möglich ist ausschließlich zertifizierten Rohstoff einzusetzen, kommen heute im Papierbereich fast ausschließlich FSC® Mix Label zum Einsatz. Dies erlaubt auch den Einsatz unzertifizierter, aber kontrollierter Faserrohstoffe. Entsprechend der Menge an zertifiziertem Rohstoffeinsatz darf entweder der gesamte Output einer Produktion als zertifizierte Ware deklariert werden (diese wird dann mit einer Prozentzahl versehen) oder es wird nur ein bestimmter Teil des Outputs als zertifiziert deklariert.
Der PEFC unterscheidet zwischen den Labeltypen „PEFC zertifiziert“, „PEFC zertifiziert und recycelt“ und „PEFC recycelt“


22. Warum dürfen auch Papiere mit nur anteilig zertifizierten Rohstoffen das FSC®- / PEFC-Label tragen? Ist das nicht eine Täuschung des Verbrauchers?
Da es für Hersteller wie beispielsweise Papierproduzenten nicht immer möglich ist, ausschließlich zertifizierte Rohstoffe einzusetzen, man andererseits aber zertifizierte und gelabelte Produkte an den Markt bringen möchte um den Verbraucher dafür zu sensibilisieren, wurden das Prozentsystem und das Creditsystem (bei PEFC: Prozentsatzmethode) entwickelt. Sie bieten dem Hersteller die Möglichkeit, auch unzertifizierte Rohstoffe aus kontrollierten Quellen anteilig einzusetzen.
Es ist das erklärte Ziel z. B. des FSC®, die Bedingungen für die Produktzertifizierung zu verschärfen und langfristig nur noch 100% zertifizierte Waren zuzulassen.
Da der Mindestanteil für die Nutzung des PEFC-Labels und des FSC® Mix Labels bei 70% liegt, ist eine Verbrauchertäuschung unserer Meinung nach nicht gegeben. Hinzu kommen Texthinweise im Label, die eine Irreführung des Verbrauchers ausschließen.


23. Was ist mit dem nicht zertifizierten Stoffanteil beim Mix Label bzw. beim PEFC Label? Kann da nicht auch Urwaldholz drin sein?
Beide Systeme schreiben heute auch für die nicht zertifizierten Stoffanteile vor, dass sie aus so genannten unkritischen und kontrollierten Quellen stammen. Damit ist der Einsatz von Holz aus besonders schützenswerten Wäldern (sog. HVCF-Wälder) oder aus illegalen Holzeinschlägen ausgeschlossen. Die meisten Primärwälder (im Sprachgebrauch oft als „Urwälder“ bezeichnet) gelten als besonders schützenswert.


24. Sagt ein FSC®- oder PEFC-Label auch etwas über sonstige umweltrelevante Aspekte der Papierherstellung aus, z. B. dem Einsatz von Chemikalien oder Energie?
Nein. Bei den Forstzertifizierungssystemen geht es primär um eine verantwortungsvolle Waldbewirtschaftung. In den Arbeitsgruppen beider Systeme wird jedoch immer wieder die Aufnahme anderer Aspekte diskutiert. Deshalb ist z.B. das Thema Arbeitssicherheit in die aktuellen Versionen beider Standards aufgenommen worden.
Zur Überprüfung anderer Umweltparameter haben sich andere System etabliert und bewährt. Hier ist vor allem das so genannte Paper Profile zu nennen. Dies ist ein von den Papierherstellern zur Verfügung gestelltes Datenblatt, das detaillierte Angaben zum gesamten Stoffeinsatz, zum Energie- und Wasserverbrauch, sowie zu den im Produktionsunternehmen vorhandenen Umweltmanagementsystemen (ISO 14001, EMAS u.a.) macht.
Paper Profiles können bei der Papier Union für die meisten aller angebotenen Papiere angefordert werden.


25. Was hat es mit dem Label für Recycling-Papiere auf sich?
Mit der Einführung der Recycelt-Label sind beide Systeme über den ursprünglichen Ansatz der „nachhaltigen Forstwirtschaft“ hinausgegangen. Dahinter steht die Absicht, die Marketingkraft und das Renommee der Systeme auch für den weltweit verstärkten Einsatz von Recycling-Papieren zu nutzen. Wird das Recycelt Label verwendet, wurde zur Herstellung ausschließlich Recyclingfaser eingesetzt.


26. In Deutschland gibt es bereits den Blauen Engel für Recycling-Papiere? Was ist besser bzw. umweltfreundlicher?
Der Blaue Engel ist eines der bekanntesten Umweltzeichen in Deutschland und hat daher einen großen Wiedererkennungswert. Im Papierbereich bietet der Blaue Engel eine Orientierung für eine umweltverträgliche Beschaffung von Papieren mit minimaler Schadstoffbelastung. Damit geht er in einer Reihe von Anforderungen deutlich über das FSC® Recycelt-Label hinaus. Verschiedentlich wird deshalb darauf hingewiesen, dass der Blaue Engel ökologisch hochwertiger sei. Es gibt allerdings auch Papiere, die mit dem Blauen Engel ausgezeichnet sind, und aus überwiegend Altpapier hergestellt wurden. FSC® Recycelt Papiere dagegen bestehen z.B. zu 100% aus Recyclingfaser.
Außerhalb des deutschsprachigen Raums spielt der Blaue Engel kaum eine Rolle. Die FSC® und PEFC Recycelt-Label sind dagegen global ausgerichtet und sollen weltweit den Einsatz von Recyclingfaser fördern. Erste, seit kurzem am Markt verfügbare FSC®-Recycling-Papiere (z.B. Evercopy Prestige) fallen durch ihre sehr hohe Weiße bei ggb. Frischfaserpapieren besserer Opazität auf und zielen auf das Premium-Segment.


27. Ab und zu werden Papiere mit dem Hinweis „FSC® controlled wood“ angeboten. Handelt es sich dabei auch um FSC®-zertifizierte Papiere?
Nein! Auch der werbliche Einsatz des FSC®-Logos ist bei diesen Papieren nicht zulässig. Die Deklarierung bezieht sich darauf, dass der Hersteller nach dem FSC®-Standard zertifiziert ist und damit auch der Einsatz von Holz aus fragwürdigen und illegalen Quellen ausgeschlossen ist (siehe dazu die Ausführungen unter 22).

Ist dies überhaupt zulässig bzw. ist dies nicht eine Täuschung des Verbrauchers?
FSC® Controlled Wood ist eine Möglichkeit, anteilig unzertifizierten, aber kontrollierten Rohstoff aus legalen Quellen für die Herstellung zertifizierter Produkte einzusetzen (Voraussetzung: Verwendung des Credit- oder Prozentsystems). Dies gibt den Herstellern ein bisschen Spielraum bei der Produktzusammensetzung. Da die hierfür vom FSC® geforderten Nachweispflichten umfangreich sind, andererseits aber die Werbewirkung des FSC® Logos nicht genutzt werden darf, ist die Verbreitung derartiger Papiere sehr gering. Papier, das als FSC® Controlled Wood eingekauft wurde, darf im Transfersystem nicht für die Herstellung zertifizierter Druckobjekte eingesetzt werden. Dies ist ein weiterer Grund dafür, dass es kaum so genannte CW Papiere gibt. Abgesehen davon dürfen nur Roh- oder Halbstoffe, die an CoC zertifizierte Betriebe geliefert werden, als Controlled Wood deklariert werden. Es besteht also keine Gefahr, dass der Verbraucher getäuscht wird.


28. Was muss ich als zertifizierte Druckerei beim Einkauf zertifizierter Papiere beachten?
Zunächst sollten Sie darauf achten, dass die Deklarierung zertifizierter Papiere auf Rechnungen und Lieferscheinen des Lieferanten standardkonform sind.
Dazu gehören die Zertifikatsnummer Ihres Lieferanten und für FSC® die Angabe der Materialkategorie inkl. Prozent- bzw. Bilanzierungsaussage (z.B. „FSC® Mix Credit“ oder „FSC® Mix 70%“) und für PEFC die so genannte Identifizierung der Herkunft, also beispielsweise „70% PEFC zertifiziert“.
– Alle Angaben müssen sich eindeutig auf ein Produkt beziehen. Allgemeine Hinweise wie „Wir führen FSC®- / PEFC-Papiere“ oder „Alle vorgenannten Papiere sind zertifiziert“ reichen nicht!
– Die Gültigkeit des Zertifikates Ihrer Lieferanten müssen Sie regelmäßig (z.B. online) überprüfen.


29. Was muss ich als Druckerei beachten, wenn ich nicht zertifiziert bin?
Da Ihnen die werbliche Nutzung der FSC®- / PEFC-Zertifizierung in diesem Fall nicht möglich ist, können Sie das Thema im Prinzip ignorieren. Bitte beachten Sie, dass sie als unzertifizierter Betrieb auch keine Aussage dazu machen dürfen, dass Sie zertifiziertes Papier für die Herstellung Ihres Druckobjektes eingesetzt haben. Wenn Sie aus reinem Interesse an der Sache das Papier überprüfen wollen, verfahren Sie wie in Punkt 28 beschrieben.


30. Was muss ich als Verlag beachten, insbesondere wenn ich nicht zertifiziert bin?
Grundsätzlich ist für die Logonutzung auf Ihren Verlagsprodukten Ihre eigene Zertifizierung nicht notwendig. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass der Drucker zertifiziert ist und das Papier selber einkauft. Ob die Druckerei über ein CoC Zertifikat verfügt, können Sie über die Online-Datenbanken von FSC® und PEFC sicherstellen. Die Zertifizierung des Produktes muss wie oben beschrieben auf Lieferschein und Rechnung deklariert sein.
Das impliziert allerdings, dass Sie nichts gegen die Nutzung des Logolizenzcodes der Druckerei auf Ihren Produkten haben. Soll dem Kunden keine Möglichkeit gegeben werden über das Logo nachzuvollziehen, welcher Drucker das Produkt hergestellt hat oder kaufen Sie das Papier für das Druckobjekt selber ein, empfiehlt sich eine eigene CoC Zertifizierung.
Wenn Ihre Zertifizierung nicht notwendig ist und sie die Zertifizierung Ihres Druckobjektes bewerben wollen, sollten Sie einen Warenzeichen-Lizenzvertrag mit dem FSC® bzw. mit dem PEFC abschließen.
Als so genannte Verlagsdruckerei müssen Sie natürlich zertifiziert sein. Es gelten die obigen Ausführungen zu den Druckereibetrieben.


31. Was muss ich als Projektmanager oder Papiereinkäufer z. B. beim Druck des Geschäftsjahresberichtes meines Unternehmens auf FSC®- / PEFC-Papier beachten?
Wenn Sie ein zertifiziertes Druckobjekt (oder ein unzertifiziertes, das auf zertifiziertem Papier gedruckt wurde) kaufen, sind Sie nicht dazu verpflichtet, die Angaben bzw. Aussagen Ihres Lieferanten zu überprüfen. Sie können jedoch Imageschäden durch falsche Angaben im Druckobjekt vermeiden, wenn Sie vor Druckvergabe in der jeweiligen Onlinedatenbank überprüfen, ob Ihr Drucker über ein gültiges Zertifikat verfügt. Zudem muss ein zertifiziertes Druckobjekt auf Lieferschein und Rechnung wie oben beschrieben deklariert sein.
Bitte beachten Sie dass es nicht zulässig ist, dass ein unzertifizierter Drucker im Produkt oder auf Rechnungen/Lieferscheinen darauf hinweist, dass für die Herstellung des Produktes zertifiziertes Papier eingesetzt wurde.


32. Was muss ich als nicht zertifizierter Einzelhändler oder Versandhändler beachten?
Es gilt im Prinzip das in Punkt 28 Gesagte. D. h. Sie sollten die standardkonforme Deklarierung der zertifizierten Produkte verlangen und die Zertifizierung Ihres Lieferanten online überprüfen. Wenn Sie in Ihren Katalogen, Angeboten, Mailings etc. mit FSC® / PEFC werben wollen, bedeutet dies eine Nutzung des Warenzeichens. In diesem Fall empfehlen wir mit dem FSC® / PEFC eine kostenpflichtige Registrierung abzuschließen.


33. Was muss ich als Produktioner, Kreativer oder Werbeagentur im Zusammenhang mit FSC®-/ PEFC-Papieren beachten?
Wir empfehlen Ihnen, diese FAQ-Sammlung aufmerksam zu lesen und sich von unseren Fachberatern insbesondere auch über die technischen und kreativen Aspekte unserer FSC® / PEFC-Papiere informieren zu lassen
Nirgendwo sonst finden Sie diese Bandbreite zertifizierter Papiere für nahezu jeden Einsatzzweck. Sofern Sie nicht auf Ihrer Rechnung Druckobjekte auf zertifizierten Papieren deklarieren oder (egal wo) bewerben, haben Sie keine weiteren Pflichten. Wichtig für Sie ist der Hinweis, dass die Logonutzung an den Logonutzungsstandard gebunden ist und das unzertifizierte Betriebe (auch Druckbetriebe) nicht damit werben dürfen, dass für die Herstellung des Druckobjektes zertifiziertes Papier eingesetzt wurde.

Top-Produktioner und Kreative erweisen sich auch in Umweltfragen als kundiger Ratgeber. Deshalb stehen sie ihren Kunden hilfreich bzw. informierend zur Seite, insbesondere hinsichtlich der erforderlichen Dokumente und Nachweise. Auch wir helfen dabei gern.


34. Bin ich bei falschen oder unvollständigen Angaben meines Lieferanten auf Lieferscheinen und Rechnungen zum Handeln verpflichtet?
Grundsätzlich gilt hier zu unterscheiden:
Als zertifizierter Betrieb sind Sie verpflichtet, auf die standardkonforme Deklarierung auf allen relevanten Dokumente Ihrer Lieferanten zu achten und ggf. Korrekturen zu verlangen. Da während Ihres Audits auch die Eingangsdokumente stichprobenartig überprüft werden, führen falsche oder fehlende Deklarierungen zu Abweichungen. Kommt Ihnen etwas "spanisch" vor, empfiehlt sich zunächst das klärende Gespräch mit Ihrem Lieferanten. Und falls der auch nicht "durchblickt", die Kontaktaufnahme mit Ihrem Zertifizierer.
Als nicht zertifizierter aber registrierter Betrieb sind Sie ebenfalls grundsätzlich zur Überprüfung der Dokumente verpflichtet.


FSC®-C010497


Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass wir trotz größter Sorgfalt bei der Themenrecherche keine rechtliche Gewähr für die Richtigkeit der o. g. Angaben übernehmen können.


Wir bedanken uns bei Frau Simone Werner von der Deutschen Zertifizierungsberatung für die fachliche Unterstützung.


Fri Aug 24 00:00:00 CEST 2012