Stand: Fri Oct 20 07:04:52 CEST 2017

UmweltAusführliche Antworten der Papier Union auf einen Fragenkatalog von Robin Wood

UmweltAusführliche Antworten der Papier Union auf einen Fragenkatalog von Robin Wood

Sehr geehrter Herr Wieting,


auf Ihren seinerzeitigen Fragenkatalog möchten wir heute wie folgt zurück-kommen:


1.Warum hat die Papier Union keine Mindeststandards für den Papiereinkauf, welche die Verletzung der Landrechte der lokalen Bevölkerung, wie sie in Indonesien an der Tagesordnung ist, in den Herkunftsgebieten des eingesetzten Zellstoffs ausschließt (z.B. in Anlehnung an die Prinzipien 2 und 3 des Forest Stewardship Council)?


In unserer in Bezug genommenen Stellungnahme hatten wir bereits darauf hingewiesen, dass wir keine Papiere handeln, bei denen Zellstoff aus Holz eingesetzt wird, dessen Gewinnung unter Verletzung von Rechten der lokalen (Ur)Bevölkerung erfolgt. Dies lassen wir uns von unseren Papierlieferanten bestätigen. Die von Ihnen wiederholt behaupteten angeblichen Verletzungen durch unseren Lieferanten April sind bis heute in keinem uns bekannten Falle konkret belegt oder dokumentiert und haben sich auf Hinweise auf die Verhältnisse in Indonesien im allgemeinen beschränkt.


Wie wir uns durch Besuch vor Ort überzeugen konnten, hat April ein durch die renommierte Beratungsgesellschaft Pro Forest begleitetes Land Dispute Resolution Programm entwickelt, mit dem Interessenkonflikte zwischen April und betroffenen Personengruppen vor Ort einvernehmlich und gewaltfrei geregelt werden, überwiegend in der Form, dass April die wirtschaftliche Nutzung der streitigen Lizenzgebiete bis zur abschließenden Reglung mit allen Beteiligten aussetzt.


Darüber hinaus hat April nachweislich ein für die Region und ganz Indonesien einzigartiges, durch den Präsidenten des Landes ausgezeichnetes Community Development Programm aufgebaut, in dem die lokale Bevölkerung, die vielfach in landwirtschaftlichen Fragen ohne jede Grundkenntnisse ist, geschult und gezielt zur wirtschaftlichen Selbständigkeit entwickelt wird.


2. Warum hat die Papier Union keinen Mindeststandard für den Papiereinkauf, der ausschließt, dass in den Herkunftsgebieten des eingesetzten Zellstoffs für die Anlage von Monokulturen schützenswerte Naturwälder vernichtet werden (z.B. in Anlehnung an das FSC®-Prinzip 10)?


Wir verweisen erneut auf unsere diesbezügliche Presseerklärung, in der wir u.a. auch einen Bezug von Zellstoff bzw. Holz aus besonders schützenswerten Wäldern (sog. High Conservation Value Forest, HCVF) ausschließen. Auch hierzu lassen wir uns entsprechende Nachweise unserer Lieferanten vorlegen. In diesem Zusammenhang möchten wir nicht unerwähnt lassen, dass Papier Union als erster deutscher Papierhändler gem. FSC® CoC zertifiziert ist.


3. Warum bestreitet die Papier Union, dass April für die Anlage von Plantagen schützenswerte Torfwälder zerstört, obwohl Papier Union aus den von uns vorgelegten Rechercheergebnissen weiß, dass es sich um Jahrtausende alte, sensible Waldökosysteme handelt, in denen u.a. der Sumatra-Tiger, 5 Arten von Affen und 78 Vogelarten vorkommen und die eine enorme Bedeutung für das Weltklima haben?


Teilweise sind die Akazienplantagen Aprils in Pelalawan auf der Kuala Kampar Halbinsel auf Torfmoorböden (sog. Peat Swamps) angelegt, die vormals überwiegend mit natürlichen, allerdings bereits stark degradierten Waldbe-ständen bewachsen waren. Torfmoorböden sind eine in den Tieflandebenen Sumatras bzw. der Provinz Riau häufige Bodenform, größere Gebiete wurden bereits in der Vergangenheit z.B. in Ölpalmplantagen umgewandelt.


Die Anlage der Akazienplantagen Aprils in Pelalawan erfolgt nach den uns vorliegenden Informationen und ausweislich der uns vorgelegten behördlichen Unterlagen im Rahmen legal erteilter Lizenzen und auf Basis einer Raum-nutzungsplanung der regionalen Behörden Riaus für die gesamte Region, zuletzt mittels Plan Perda 23 aus dem Jahre 2001. Die Umwandlungs-maßnahmen wurden zuletzt noch einmal ausdrücklich durch ministeriellen Erlass SK 162 aus dem Jahre 2003 bestätigt und u.a. April angehalten, seine Konvertierungspläne zügig umzusetzen, um die bis zum Jahre 2009 geplante vollständige Umstellung auf eine nachhaltige Plantagenholzversorgung sicherzustellen.


Die uns vorgelegten behördlichen Dokumente lassen erkennen, dass dabei die Übereinstimmung der geplanten Maßnahmen mit den verschiedenen einschlägigen Schutzgesetzen Indonesiens geprüft wurden.


Satellitenbilder von Kuala Kampar bzw. Pelalawan aus 2002 – zu diesem Zeitpunkt waren die Plantagenaktivitäten Aprils noch nicht weit fortgeschritten – zeigen, dass die natürlichen Waldbestände auf der Halbinsel insbesondere in den Randgebieten, die April zur Plantagenumwandlung zugewiesen waren, bereits stark durch illegale Einschläge – wahrscheinlich der lokalen Bevölkerung und Kleinbetriebe mit dem Ziel der Nutzholzgewinnung - geschädigt waren und keinen hohen Schutzwert mehr hatten.


Gleichwohl hat April von den insgesamt ca 80.000 ha lizensierter Plantagenfläche in Pelalawan in Abstimmung mit dem forstwirtschaftlichen Institut der Universität Bogor IBP ca 25 Prozent (= ca 20.000 ha) und damit eine deutlich über das gesetzlich geforderte Maß hinausgehende Fläche als geschützte Rückzugsgebiete für seltene lokale Tiere und Pflanzen aus der wirtschaftlichen Nutzung herausgenommen.


4. Wie bewertet Papier Union die Tatsache, dass April weiterhin Naturwälder zerstört, ohne die seit Jahren geforderten unabhängigen Untersuchungen über den Schutzwert dieser Wälder vorzulegen und die für das Pelalawan Gebiet in Auftrag gegebene Untersuchung nicht öffentlich gemacht hat.


Papier Union hat April aufgefordert, eine solche umfassende, durch unabhängige Drittinstitutionen überprüfte Untersuchung der Nachhaltigkeit seiner Ressourcen-Planung vorzulegen und steht hierzu auch im Dialog mit Vertretern namhafter Umweltorganisationen. April hat anlässlich eines Besuchs vor Ort im August des Jahres ein solches Gesamt-Monitoring seiner Wald- und Holzaktivitäten zugesagt und einen Abschluss bzw. die Veröffentlichung der Ergebnisse für 2005 avisiert.


5. Woher nimmt die Papier Union die Gewissheit, dass bei der Zerstörung der Torwaldgebiete keine Gesetze missachtet werden, obwohl alle von Robin Wood vorgelegten Informationen darauf hindeuten, dass April

a. produktiven Wald in Plantagen umwandelt, was laut Gesetz verboten ist (Gesetze PP 7/1990, SK 162/2003, SK 200/1994)

b. Wald mit einer Torfschicht von drei Metern vernichtet, in denen lt. Gesetz jeder Eingriff untersagt ist (Gesetz PP 47/1997)

c. Die durch das internationale Artenschutzabkommen CITES geschützte Baumart Ramin ohne Erlaubnis rodet und ihren Lebensraum zerstört.


Die uns vorgelegten behördlichen Dokumente zur Plantagenanlage und den Einschlagkonzessionen Aprils in den fraglichen Gebieten lassen erkennen, dass die Konformität der geplanten Maßnahmen mit den einschlägigen indonesischen Schutzgesetzen geprüft und bejaht wurden.

Basis für die Planungen in Pelalawan ist der Raumnutzungsplan (Spatial Plan) der Provinz Riau, Perda Nr. 10 von 1994, in einer aktualisierten und detaillierten in Fassung mit Perda No. 23 von 2001. Infolge des nach 1997 einsetzenden Demokratisierungsprozesses (Dezentralisierung der Kompetenzen) hatten sich im Laufe des Verfahrens neue Zuständigkeiten und auch Unklarheiten hinsichtlich der Interpretation und Ausführung der verschiedenen die Landesplanung und Waldnutzung betreffenden Gesetze ergeben. Deshalb erließ das Ministerium für Forst- und Landwirtschaft in Jakarta zur Planungslage in Riau den Erlass SK Nr. 162 von 2003, in dem u.a. April aufgefordert wurde, die bis 2009 geplanten Konvertings zur Sicherstellung der vollständigen Umstellung der Holzversorgung auf Plantagenbasis nach Maßgabe der dortigen Hinweise zügig umzusetzen.


April hat nach eigenen Aussagen zu keinem Zeitpunkt gezielt Ramin-Bäume gerodet, allenfalls sind sehr geringe Mengen in Form vereinzelter Bestände (< 1 cbm per ha) in die Plantagenkonvertierungen eingegangen. Ein Einzelverbleib derartiger Bestände inmitten von Akazienbeständen hätte auch ökologisch keinen Sinn gemacht, hierin bestand Einigkeit mit den beteiligten Fachleuten und Behördenvertretern.


Insofern auf Pelalawan vereinzelt größere Ramin Ansammlungen angetroffen wurden, sind diese in die innerhalb der Plantagen angelegten Schutzgebiete integriert (s.o.) und von den Einschlägen somit ausgenommen.


6. Woher nimmt die Papier Union die Überzeugung, dass die erwähnten Pläne auf Distriktebene Konzessionäre dazu ermächtigen, nationale Waldgesetze zu missachten? Wir kommt die Papier Union zu der Auffassung, dass das Gesetz SK Nr 162 von 2003 den Konzessionären generell die Schaffung von Plantagen erlaubt, obwohl dieses Gesetz die Umwandlung von produktivem Wald in Plantagen verbietet?


Dieser Überzeugung haben wir zu keinem Zeitpunkt Ausdruck verliehen, auf die sich infolge des so genannten Demokratisierungs- und Dezentralisierungs-prozesses in Indonesien ergebenden Probleme und den ministeriellen Erlass SK Nr. 162/2003 haben wir oben bereits hingewiesen. Sie sind jedoch kein Problem des Herstellers April, sondern ein Ergebnis der politischen Situation in Indonesien.


7. Wie bewertet Papier Union die Tatsache, dass das SGS Audit nur die Holzlieferungen von Dritten beurteilt, April aber bis heute kein Audit vorgelegt hat, dass die Legalität des Holzbezugs von Joint Venture Partnern und aus eigenen Konzessionsgebieten bewertet, aus denen der überwiegende Teil des Rohstoffs stammt (s.a. Schreiben des WWF an Papier Union)?


April hat bei der Identifikation und Kennzeichnung von Schutzgebieten innerhalb seiner gesamten Konzessionsflächen von Anfang an mit renommierten unabhängigen Institutionen wir dem forstwirtschaftlichen Institut der Universität Bogor und dem Centre for International Forestry Research in England (CIFOR) zusammengearbeitet. Aprils Waldmanagement System wurde bereits 1999 erstmals und in 2000 erneut durch die SGS auditiert. Alle Forstaktivitäten sind zudem durch SGS gemäß ISO 14001 umweltzertifiziert. Vor diesem Hintergrund wird April in Bälde eine Auditierung seiner gesamten Nachhaltigkeitsplanung durchführen (s.o.).


Ergänzend sei noch einmal ausdrücklich darauf hingewiesen, dass für die von Papier Union ausschließlich gehandelten Officepapiere Aprils auf Akazienbasis eine Bezugskettenzertifizierung seitens SGS vorliegt, die auch eigene bzw. Joint Venture Unternehmen mit einschließt.


8. Wissenschaftler haben beschrieben, dass die Torfwaldgebiete Indonesiens natürlicherweise nie austrocknen und jeder Eingriff zur Bewirtschaftung die Waldbrandgefahr erhöht (z.B. Spektrum der Wissenschaft, Brennende Regenwälder, Feb. 2004). April legt Kanäle an, da Akazienmonokulturen an diesen Standorten nur gepflanzt werden können, wenn die oberflächennahe Torfschicht trocken gelegt wird (sichtbar anhand der einsetzenden Mineralisierung des Torfkörpers, der nicht mehr unter Luftabschluss steht). Warum behauptet die Papier Union wider besseres Wissen, dass April Kanäle anlegt, „um die Austrocknung zu verhindern“?


Ältere Palmöl Plantagenprojekte auf Torfmoorböden Riaus haben gezeigt, dass dies ein grds. beherrschbares Problem ist – größere oder gar unkontrollierte Brände sind hier nicht bekannt. Die seitens April in den Plantagen Pelalawans mit großem Aufwand angelegten und laufend unterhaltenen Kanalsysteme dienen, wie wir ausgeführt haben, der Wasserstandsregulierung und nicht der Austrocknung. Die Aufgabe besteht darin, den Wasserstandspegel ca 60-90 cm unterhalb der Oberfläche stabil zu halten, nicht zuletzt, weil die angepflanzten Akazienkulturen das Wasser selbst benötigen. Durch die zügige ganzflächige Neubepflanzung des infrage stehenden Lizenzgebiets ist zudem eine kontinuierliche Bodendeckung durch Pflanzenbewuchs sichergestellt. Diese Arbeiten werden bis Ende des Jahres 2005 bzw. Anfang 2005 weitestgehend abgeschlossen sein. Zudem konnten wir uns vor Ort davon überzeugen, dass April ein leistungsfähiges Feuerfrühwarn- und -bekämpfungssystem unterhält, z.B. in Form von schnellst beweglichen Fluggleitboten auf den Kanälen und Fallschirmspringern. Nicht zuletzt ist es im Interesse des Unternehmens, die Basis seiner Rohstoffversorgung nicht durch Feuerrisiken zu gefährden.


9. Welche Gewissheit hat Papier Union, dass es in den bewirtschafteten Gebieten in extrem trockenen Jahren (z.B. während El Nino) aufgrund der oberflächlich ausgetrockneten Torfschicht, des Fehlens von Vegetation etwa nach Ernte der Plantagen und sinkendem Wasserstand im Kanalsystem nicht zu katastrophalen Waldbränden kommt, wie es 1997/1998 in vergleichbaren Gebieten der Fall war?


Siehe hierzu unsere Ausführungen zuvor. Ein wesentlicher Faktor der seinerzeitigen Brandkatastrophe, nämlich unkontrollierte Brandrodung, kann im Falle Aprils ausgeschlossen werden. Zudem standen leistungsfähige Feuerfrühwarn- und -bekämpfungssysteme seinerzeit nicht zur Verfügung, was vorliegend ebenfalls nicht zutreffend ist.


10. Wie bewertet Papier Union, dass April den Ausbau seiner Fabriken Mitte der 90iger Jahre zur Zeit der Suharto-Diktatur gegen den Protest der lokalen Bevölkerung durchsetzte, die Ihre Landrechte verletzt sah, wobei es Verhaftungen und Verletzte gab?


Im Falle Aprils sind uns solche besonderen Vorteilsnahmen seitens der Eignerfamilie zu Zeiten des Suharto Regimes zumindest nicht bekannt.

Bis heute liegen uns keine konkretisierten und überprüfbaren Hinweise zu Menschenrechtsverletzungen Aprils beim Aufbau seiner Wirtschaftsanlagen auf Sumatra vor. Von entscheidender Bedeutung sind heute die eindeutigen Fortschritte, die das Unternehmen bei der gewaltfreien Lösung auftretender Landrechtsprobleme gemacht hat sowie die unübersehbaren Anstrengungen Aprils, größere Teile der lokalen Bevölkerung an der wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens direkt oder indirekt – siehe Community Development Programm - teilhaben zu lassen.


Heute leben in Kerenci, dem Fabrikstandort Aprils, fast 60.000 Menschen. Mitte der Neunziger Jahre – zum Zeitpunkt der Ansiedlung des April Werks dort - waren es rund 200 Familien, die in mehr als einfachen Verhältnissen lebten. Insgesamt sichert April heute ca 100.000 Menschen in der Region den Unterhalt. Damit leistet das Unternehmen einen großen Beitrag zur Bewältigung der Armut und der Bevölkerungsprobleme in Indonesien und zur Reduzierung der Abwanderung in die Großstädte mit den bekannten Problemen.



Gerne stehen wir Ihnen für weitere Rückfragen zur Verfügung.




Mit freundlichen Grüßen

David Wischmann, Umweltsprecher


Mon Nov 01 00:00:00 CET 2004

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