Stand: Mon Nov 20 01:22:09 CET 2017

Stellungnahme der Papier Union zur Protestaktionen des Regenwald e.V.

Die Vereinigung Regenwald e.V. Hamburg behauptet, die Papier Union verkaufe "Raubbau-Papier", hergestellt durch April (Asian Pacific Resources International Ltd., Singapur) aus Indonesien. Regenwald e.V. forderte in einer Protestaktion unter Hinweis auf angebliche illegale Forst- und Einschlag-aktivitäten auf Sumatra, den Verkauf von Produkten von April umgehend einzustellen. Die Umweltorganisation Robin Wood hat weitgehend gleich lautende Behauptungen dahingehend ergänzt, dass die Papier Union sich durch den Handel mit Produkten des Herstellers April an Menschenrechts-verletzungen beteilige. Robin Wood klagt weiterhin an, dass die Papier Union über keine Umweltstandards beim Einkauf von Papier verfüge und seinen Lieferanten blind vertraue.


Papier Union legt als eines der führenden deutschen Papiergroßhandels-unternehmen und Teil der Inapa-Gruppe, einer der führenden europäischen Papiergroßhandelsgruppen, Wert auf die Feststellung, dass nur Papiere einge-kauft und vertrieben werden

- bei deren Herstellung kein Holz aus geschützten Urwäldern oder aus hochwertigen, besonders schützenswerten Wäldern (High Value Conservation Forests, HVCF) eingesetzt wird

- deren Rohstoffe aus nachhaltiger (stets reproduzierter) Forstwirtschaft hergestellt werden

- für die keinesfalls Holz aus illegalem Holzeinschlag eingesetzt wird

- für die bevorzugt ein durch Audits überprüfter Bezugskettennachweis (Chain of Custody) geführt werden kann.

Die Einhaltung dieser Kriterien überprüft die Papier Union durch regelmäßige Lieferanten-Audits im Rahmen der einem Handelsunternehmen zu Gebote stehenden Möglichkeiten.


Die Papier Union ist nach Prüfung der durch Regenwald e.V. erhobenen Vorwürfe – sofern diese durch Regenwald e.V. überhaupt belegt werden konnten – überzeugt, dass die Papierproduktion bei April diesen Forderungen entspricht.


Die von der Papier Union bezogenen Büropapiere des Herstellers April werden ausschließlich aus Plantagenholz und nicht aus Holz aus Urwaldrodung hergestellt. Dieses wird von der Papier Union regelmäßig überprüft.


April bezieht heute 30 - 35 % seines gesamten Holzbedarfs von jährlich 9 Mio. Kubikmetern aus Akazienplantagen. Hierzu sind (Stand Ende 2003) 193.000 Hektar Plantagenfläche bepflanzt. Die Anlage weiterer 60.000 Hektar ist für 2004 geplant. Nach heutigem Erkenntnisstand ist damit sichergestellt, dass das für Ende 2008 geplante Ziel von 350.000 Hektar Gesamt-Plantagenfläche und damit eine hundertprozentige Versorgung des April-Zellstoffwerks Kerinci (Riau, Sumatra) auf Plantagenbasis erreicht wird. Diese Plantagenwaldfläche, die selbstverständlich kontinuierlich forstwirtschaftlich bewirtschaftet wird, stellt weniger als 1 % der gesamten Waldfläche Sumatras dar. Umweltorganisa-tionen, mit denen die Papier Union Informationen austauscht, haben nach Besichtigungen vor Ort bestätigt, dass es an der Realisierbarkeit dieses Vorhabens keine Zweifel gibt.


Die Aktivitäten Aprils sind durch die unabhängige Prüfungsinstanz SGS (Société Générale de Surveillance SA) unter anderem nach dem inter-nationalen Umweltstandard ISO 14001 (Ecological Management) überprüft und zertifiziert worden. Die Bewirtschaftung aller Waldressourcen erfolgt unter Beachtung umweltbezogener Standards, die zusammen mit unabhängigen Drittinstitutionen wie der Forst-Fakultät des IPB (Institute Pertanian der Universität Bogor, Sumatra) und dem CIFOR (Center for International Forestry Research) erarbeitet wurden und regelmäßig überwacht werden. Sie bilden zugleich die Basis für eine Gesamtzertifizierung aller Plantagenwirtschaften des Konzerns, die eingeleitet und derzeit in Arbeit ist.


Behauptungen, dass illegale Landnahme ebenso wie Landvertreibung und Menschenrechtsverletzung erfolge, sind nicht haltbar. Die von verschiedenen indonesischen Organisationen hierfür vorzulegenden Beweise sind nicht erbracht worden. Regionen, in denen infolge unklarer Besitzverhältnisse Interessenkonflikte mit der örtlichen Bevölkerung auftraten, umfassen aktuell ca. 10.000 Hektar. Diese sind von April aus der forstwirtschaftlichen Bewirtschaftung herausgenommen und zu einer Klärung den hierfür zuständigen staatlichen Institutionen übergeben worden. April hat in vielen Fällen stattdessen mit den betroffenen Gemeinden und deren Bewohnern Aufbauprogramme initiiert und finanziell unterstützt, z. B. in Form des Betriebs von Pflanzenzucht- und Plantagenbetrieben. Den verschiedenen sozialen Strukturprogramme Aprils in seinen Konzessionsgebieten wird heute Modellcharakter für ganz Indonesien zugebilligt. Sie wurden erst kürzlich durch die unabhängige Institution ProForest/UK erneut überprüft und bestätigt.


Die Papier Union hat eine Einladung zu direkten Gesprächen mit Vertretern indonesischer Umwelt- und Menschenrechtsverbände (WALHI und CAAP) sowie verschiedenen weiteren Umweltverbänden angenommen, zuletzt im Rahmen eines Diskussionsforums von Watch Indonesia am 29.4.2004 in Berlin, und sich mit den Vorwürfen auseinander gesetzt.


April hat – auch unter dem Einfluss der Papier Union – Programme geschaffen, die die Zulieferung von illegal geschlagenem Holz nahezu 100%ig ausschließen. Dabei wurden auch die Holzbezüge aller Drittlieferanten einer Überprüfung durch SGS unterzogen mit dem Ergebnis, dass illegale Drittlieferungen heute ebenfalls vollständig ausgeschlossen sind, auch wenn diese Drittlieferanten eine staatliche Konzession nachweisen konnten, sich aber – in Indonesien häufige Praxis - mit ihren Einschlagpraktiken und sonstigen Prozeduren nicht an die mit SGS festgelegten Abläufe und Kontrollen hielten. Der Holz-Anteil nicht zweifelsfrei geklärten Ursprungs beträgt heute ca. 1 % des zugelieferten Holzes.


April hat – auch unter Einfluss der Papier Union - den Holzbezug aus der besonders schützenswerten (High Value Conservation Forest, HVCF) Region Tesso Nilo eingestellt. Für diese streben internationale Umweltorganisationen wegen ihrer besonders hohen Artenvielfalt und ihrer Funktion als eines der letzten größeren Rückzugsgebiete für Tiger und Elefanten einen absoluten Schutz an. Durch die Anpflanzung von Akazienwald-Schutzgürteln beteiligt sich April mit erheblichem finanziellem Aufwand an der Umsetzung des Schutzplans für Tesso Nilo.


2003 hat April in Zusammenarbeit mit örtlichen Umweltorganisationen, der lokalen Polizei und den amtlichen Forstbehörden eine Task Force gegen illegale Holzeinschläge und den unkontrollierten Holztransport aus Tesso Nilo geschaffen, für die April durch die Bereitstellung finanzieller und personeller Ressourcen aktiv eintritt.


Die Behauptung, April verstoße mit der Bewirtschaftung von Plantagen in der Region Palalawan in Riau (Sumatra) gegen bestehende Gesetze und vernichte besonders schützenswerte Torfwälder, hält einer kritischen Überprüfung der Fakten ebenfalls nicht stand. Richtig ist, dass die indonesische Regierung angesichts des teilweise dramatischen Rückgangs der Naturwaldflächen auf Sumatra auf weit unter die Hälfte der Gesamtlandfläche von ca. 200 Mio. Hektar insbesondere durch illegalen Holzeinschlag und illegale Brandrodung mit neueren Gesetzen um eine Einschränkung weiterer Einschläge auf Sumatra bemüht ist. Unter anderem durch die seitens Regenwald e.V. in Bezug genommenen Bestimmungen wurde auch die Bewirtschaftung in bestimmten Bodenkonstellationen (mehr als 3 Meter Tiefe der Torfschicht) neuen Regelungen bzw. Beschränkungen unterworfen.


Aprils Aktivitäten in dem Konzessionsgebiet Palalawan bewegen sich im Rahmen des Entwicklungsplans für diese Region, wie er in der District Regulation Perda No. 23 von 2001 durch die Regierung der Provinz Riau festgelegt wurde. Sie erfolgen zudem in Übereinstimmung mit einer Entscheidung des Forst-Ministeriums SK No. 162 von 2003, die die Konzessionäre in der Region ausdrücklich zu einer Beschleunigung beim Aufbau nachhaltig bewirtschafteter Plantagen in den zugewiesenen Gebieten auffordert. April hat dabei – über die gesetzlichen Bestimmungen weit hinausgehend und in enger Abstimmung mit dem IPB und CIFOR – 20.000 Hektar der insgesamt ca. 79.000 Hektar Konzessionsfläche aus der Bewirtschaftung herausgenommen und als Rückzugsgebiet für dort lebende natürliche Spezies belassen.


Die Behauptung, April lege das Konzessionsgebiet Palalawan systematisch trocken und schaffe damit die gesteigerte Gefahr von Waldbränden, trifft nicht zu. April hat zur Stabilisierung der natürlichen Wasserstände und zum Abtransport des Holzes in der Tat – wiederum in Abstimmung mit dem IPB – Kanäle angelegt, um die Austrocknung zu verhindern. Papier Union hat April aufgefordert, die diesbezüglichen gutachterlichen Stellungnahmen des IPB der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.


Schließlich sind auch die seitens der CAAP erhobenen, jedoch nicht näher spezifizierten Vorwürfe einer gesundheitlichen Schädigung der regionalen Bevölkerung durch Luft- und Wasser-Emissionen der April-Werke am Kampar Fluss nicht nachvollziehbar. Die durch unabhängige Drittinstitutionen wie der Nationalen Universität von Singapur regelmäßig durchgeführten Überprüfungen bestätigen den April-Werken fortlaufend – zuletzt für das 1. Quartal 2004 - eine Gewässer- und Luftbelastung, die weit unter den nationalen gesetzlichen Grenzwerten und vielfach sogar unter denen amerikanischer und europäischer Standards liegt.


Die Papier Union stimmt mit Regenwald e.V., Robin Wood und anderen Umweltorganisationen überein: Die Vernichtung des Waldes, Korruption, illegaler Holzeinschlag, Brandrodung und Holzeinschlag ohne systematische Wiederaufforstung sind in Indonesien nach wie vor an der Tagesordnung. Die Situation gewinnt zusätzliche Brisanz durch ethnische, religiöse und soziale Spannungen, die bis heute durch die politischen Instanzen nur unzureichend kontrolliert werden. Die Papier Union wird die Einhaltung der eingangs genannten Beschaffungsstandards und der Verhinderung von Waldvernichtung bei der Auswahl und Kontrolle seiner Lieferanten Rechnung tragen. Boykottmaßnahmen gegen den Lieferpartner April hält Papier Union demgegenüber für nicht zielführend und deshalb für verfehlt. Papier Union wird den kritischen Dialog mit April, der auch in Auseinandersetzung mit einzelnen Umweltorganisationen ständig einer Überprüfung unterzogen wird, fortführen und durch diese kritische Begleitung dazu beitragen, dass Rohstoffgewinnungs- und Produktionsprozesse umweltverträglich gestaltet werden.


Tue Jun 01 00:00:00 CEST 2004