Stand: Wed May 24 19:50:27 CEST 2017

Was ist Weiß, Teil 1

Welche Faktoren bestimmen unser Farbempfinden?


Sie kennen die Situation: Nach langem Vergleichen haben Sie das Papier mit der idealen Weiße für einen Job gefunden. Und dann passt es bei der Präsentation im Konferenzraum des Kunden überhaupt nicht mehr. Das Papier wirkt viel wärmer oder kälter als bei Ihnen in der Agentur. Der Grund: Unser Eindruck von Farbe – also auch von Weiß – ist keinesfalls objektiv. Vielmehr hängt er von drei Faktoren ab: der Lichtquelle, unseren Augen und der tatsächlichen Farbe eines Objekts.

Die Lichtquelle

 

Licht ist nicht gleich Licht. Bricht man es in einem Prisma, sieht man, dass es aus allen Farben besteht. Je nach Wellenlänge seiner Strahlen kann es eher kalt und bläulich (kurze Wellen) oder warm und rötlich (lange Wellen) erscheinen. Deshalb verändert sich z. B. auch das Sonnenlicht im Lauf eines Tages oder Jahres: Je nach Stand der Sonne werden ihre Strahlen von der Erd-Atmosphäre unterschiedlich reflektiert und gebrochen. Auch künstliche Lichtquellen gibt es in einer Vielzahl verschiedener Wellen- und damit Farbspektren.

Die Lichtfarbe wiederum hat Auswirkungen darauf, wie wir die Farbe eines Objekts wahrnehmen. Aus diesem Grund sollte man bei der Papierwahl auch berücksichtigen, in welcher wahrscheinlichen (Licht-) Umgebung die Drucksache später primär eingesetzt wird.


Warme Farbe – kalte Farbe


Das menschliche Auge kann Licht in einem Spektrum von 380 bis 780 nm (Nanometer) sehen. Je langwelliger ein Licht ist, als desto roter und wärmer empfinden wir es. Ab einer Wellenlänge von ca. 700 nm sehen wir dann keine Farbe mehr, sondern fühlen nur noch die Wärme – z. B. der Infrarot-Leuchte.

Auch am unteren, blauen, Spektrum des Lichts stoßen unsere Augen an ihre Grenzen: Das kurzwelligste Licht, das wir sehen können, ist ein helles Blauviolett. Unterhalb dieses Bereichs beginnt der des ultravioletten Lichts.


Farbtemperatur

 

Beim Lichtspektrum werden kurze Wellen als blau, kalt wahrgenommen, lange als rot, warm. Bei der Farbtemperatur verhält es sich genau andersherum: Je höher die Farbtemperatur einer Lichtquelle ist, desto bläulicher erscheint sie. Je niedriger die Farbtemperatur, desto rötlicher wirkt das Licht. Die Farbtemperatur wird in Kelvin (K) gemessen.


Das Auge

 

Die von einem Objekt reflektierten Strahlen treffen auf der Netzhaut des Auges auf so genannte Stäbchen (zuständig für die Unterscheidung zwischen hell und dunkel) und farbempfindliche „Zapfen“. Je nach Art reagieren diese auf die Farben Rot, Grün oder Blau und erzeugen – nach einem ähnlichen Prinzip wie Farbfernseher oder Computer-Monitore – im Gehirn den Eindruck von Mischfarben.

Die Mischung von Lichtfarben unterscheidet sich allerdings deutlich von der auf einer Malpalette (Körperfarben): Gleiche Anteile von Grün und Rot sehen wir z. B. als Gelb. Und werden alle drei Lichtfarben mit jeweils 100 % Intensität gemischt, ergibt sich für das Gehirn der Eindruck von Weiß.

Die Farbe eines Objekts


Ohne Licht können wir keine Farbe erkennen (deshalb sind nachts „alle Katzen grau“). Wir nehmen aber nur die Wellenlängen wahr, die von einer Oberfläche reflektiert werden. Die Oberfläche einer Tomate zum Beispiel schickt nur solche Wellenlängen zurück, die unser Gehirn als rot interpretiert.


Beleuchtet man nun die Tomate mit einem Licht, aus dem das Rot-Spektrum herausgefiltert wurde, kann sie nichts reflektieren – und erscheint uns als Schwarz. Sie selbst hat also eigentlich gar keine Farbe.


Um das Problem der je nach Licht unterschiedlich wahr-genommenen Farben zu lösen, hat die CIE (Commission internationale de l’éclairage, Internationale Beleuchtungs-kommission) so genannte Normlichtarten festgelegt.

Normlicht


Das Abstimmpult der Druckmaschine sollte mit Normlicht D50 (5000 Kelvin) beleuchtet sein. So können wechselndeLichtverhältnisse durch Veränderungen im Tages- oder Kunstlicht den Farbeindruck nicht verfälschen.


Sie definieren die Strahlungsbereiche verschiedener Lichtarten. Um die Farbe einer Oberfläche zu ermitteln, misst man, wie viel Licht von ihr reflektiert wird und wie sich das Spektrum des reflektierten Lichts von dem der genormten Lichtquelle unterscheidet.


Das Ergebnis wird in einer Kurve dargestellt. Für jede Farbe gibt es eine typische Remissionskurve unter Normlicht. Solche Kurven bilden die Grundlage für die Berechnung der optischen Eigenschaften eines Papiers. Wie viel Licht „schlucken“ auf ihm gedruckte Farben? Und wie weiß ist es – unabhängig von unserem Empfinden – tatsächlich?

 

Welche Rolle optische Aufheller und Licht, das wir gar nicht sehen, bei diesem Thema spielen, erfahren Sie im 2. Teil unserer Serie.