Stand: Tue Apr 25 20:32:39 CEST 2017

Papierherstellung

So wird aus Holz Papier


Im Jahr 105 hatte Tsai-Lun, kaiserlicher Beamter in China, eine Idee, von der wir noch heute profitieren: Anstatt aus dem bis dahin üblichen Seidenfilz, stellte er Papier aus erheblich leichter zu beschaffenden Rohstoffen her: Pflanzenfasern und Lumpen.

Heute wird Lumpen, auch Hadern genannt, nur noch in

besonders hochwertigen Papieren verwendet. Stattdessen setzt man seit Mitte des 19. Jahrhunderts vollständig auf die Pflanzenfasern als Rohstoff – Holz.

Aus dem Holz isoliert man über viele Einzelschritte die Zellulose (siehe Holzfreies Papier). Dieser Zellstoff wird in der Papierfabrik in sogenannten Refinern gemahlen.

Schon hier entscheidet sich ein wesentliches Qualitätskriterium des späteren Papiers: Je nachdem ob

die Fasern mehr geschnitten (Rösche Mahlung) oder an ihren Enden ausgefranst (Schmierige Mahlung) werden. Diese ausgefransten Fasern können sich leichter miteinander verbinden und verleihen dem Papier später mehr Festigkeit.

Im nächsten Schritt werden den Fasern Hilfsstoffe zugesetzt: vor allem Wasser – pro Kilogramm Papier ca. 100 Liter – aber auch optische Aufheller oder Farb-stoffe. Für eine geschlossenere Oberfläche, mehr Opazität und Flexibilität kommen außerdem bis zu 30% Füllstoffe in die Wasser-Zellstoff-Mischung: China Clay, Titanweiß, vor allem aber Kreide.

Als Bindemittel verwendet man Latex- oder Stärkeprodukte.

Das so entstandene Gemisch wird nun auf ein Sieb gegossen, das so breit wie die spätere Papierbahn ist. Dies ist ein entscheidender Schritt in der Papierherstellung: Wie gleichmäßig verteilen sich die Fasern auf dem Sieb, wie gleichmäßig verdichten sie sich zu einer festen Faserlage?

Hier und in den anschließenden Schritten zeigt sich das ganze Können eines Papiermachers:

Wie koordiniert er die unterschiedlichen Siebe, Walzen, Sauger so, dass ein Papier entsteht, das perfekt für den jeweiligen Einsatzzweck geeignet ist - ein Papier mit homogener Struktur und Oberfläche – die möglichst auf beiden Seiten gleich aussieht.

Wenn die Papierbahn das Sieb verlässt, kann an ihrer Struktur nichts mehr geändert werden. Nun beginnt die Trockenpartie. Das hierbei frei werdende Wasser führt man heute fast vollständig in den Produktionsprozess zurück. Zuerst wird es zwischen Walzen aus dem Papier gepresst. Der Rest verdunstet, wenn die Bahnen über eine Reihe warmer Zylinder laufen.

Das trockene Papier wird nun in einem Glättwerk geglättet.

Damit das Papier später nicht staubt oder rupft, trägt man in einer so genannten Leimpresse Stärke auf die Oberfläche auf. Diese Behandlung bereitet das Papier auch auf spätere Veredelungsschritte vor, wie z. B. das Streichen (siehe dazu Gestrichene Papiere).