Stand: Wed May 24 19:50:32 CEST 2017

Tampondruck

Es gibt fast nichts, was er nicht bedrucken kann


Vom Klischee, einer Platte mit eingravierten Vertiefungen, nimmt der Silikon-Tampon die Farbe auf


... und setzt sie auf dem Ziffernblatt ab.


Auch unebene Flächen können im Tampondruck bedruckt werden.


Bilder 1 und 2: Copyright
CurtisT@ThePuristS.com

Sie schauen jeden Tag darauf – auf ihre Uhr. Aber haben Sie sich schon mal überlegt, wie die Zahlen aufs Ziffernblatt kommen?


Bis Mitte der 60er Jahre benutzte man hierfür das sogenannte „Decalcier-Verfahren“. Das heißt, man übertrug die Ziffern mit Hilfe eines Gelatine-Tampons per Hand auf das Blatt.


Dieser Tampon funktioniert ähnlich wie ein Stempel. Nur, dass bei ihm nicht der „Farb-Überträger“ in Form geschnitten ist, sondern das „Stempelkissen“ – in diesem Fall eine mit Farbe gefüllte Gravur in eine Metall-Platte*, genannt Klischee. Der Tampon nimmt die Farbe auf und transportiert sie auf das zu bedruckende Teil.


Die beim Decalcier-Verfahren verwendeten Gelatine-Tampons waren bereits nach wenigen Arbeitsstücken abgenutzt und mussten ausgetauscht werden. Das Verfahren war also nicht sehr effektiv.


Als der Industrie-Graveur Wilfried Philipp 1971 die erste elektromechanische Maschine für den Tampondruck vorstellte, fand er deshalb vor allem in der Uhrenindustrie begeisterte Abnehmer. Das Geheimnis seines Erfolges waren (u. a.) Tampons aus vulkanisiertem Silikongummi und lösemittelhaltige Farben. Die neuen Tampons waren haltbar und gaben die Farbe fast rückstandsfrei ab. Durch ihre extreme Flexibilität passten sie sich praktisch jeder Form an. Und die lösemittelhaltigen Farben ermöglichten es erstmals, auch nass-in-nass und auf Kunststoff zu drucken. Damit war der weltweite Siegeszug des Verfahrens nicht mehr aufzuhalten. So ist es zum Beispiel aus der Werbemittel-Industrie heute nicht mehr wegzudenken.


Unebene Flächen, Vertiefungen, feinste Schriften, Linien und Raster schrecken diesen modernen Tampondruck ebenso wenig wie komplizierte Mehrfarb- und CMYK-Rasterdrucke.


Das Ziffernblatt Ihrer Uhr wurde höchst wahrscheinlich im Tampondruck bedruckt. Ebenso wie die das Gesicht der Barbie-Puppe Ihrer Nichte, das Bobby-Car Ihres Neffen, die Niveacreme-Dose, Ihr Feuerzeug, der Colaflaschen-Verschluss … Von denen bedrucken moderne Tampondruck-Maschinen heute übrigens bis zu 180.000 Stück in der Stunde – mehrfarbig.



* Deshalb gehört der Tampondruck auch zu den Tiefdruckverfahren.