Stand: Sat Nov 18 09:08:42 CET 2017

Gestrichene Papiere

Eine Frage der Technik und des Stils

Gestrichene Papiere sind die Topstars unter den Feinpapieren. Sie erbringen sehr gute oder auch hervorragende Leistung – aber sie können nicht mit jedem. Anders ausgedrückt: mit gestrichenen Papieren lassen sich exzellente Druck-Ergebnisse erzielen – wenn man das richtige Papier wählt: das Papier mit dem richtigen Strich.


„Richtig“ bezieht sich dabei sowohl auf den optischen Aspekt im grafischen Gesamtkonzept als auch auf die richtige Zusammensetzung des Strichs.


Was ist was?


  • Pigmentiertes Papier: beidseitiger, sehr leichter Strich (max. 5 g/qm)
  • Bilderdruck-Papier: beidseitiger, einfacher oder doppelter Strich
  • Kunstdruck-Papier: beidseitiger, meist  doppelter oder dreifacher Strich mit spezieller Zusammensetzung
  • Chromo-Papier: einseitiger Strich, matt, glänzend, farbig oder weiß

Warum streicht man Papier?

 

Eigentlich ist das Prinzip der Papierherstellung über die Jahrhunderte gleich geblieben: Man verteilt einen Brei aus Fasern, Füllstoffen, Leim, Farbe und Chemikalien gleichmäßig auf einem Sieb. Dieser Brei wird über verschiedene Stufen gepresst, getrocknet und geglättet, bis ein fester Papierbogen entstanden ist.


In den Papiermaschinen von heute erfolgt das Glätten in einem so genannten Kalander. Das sind glatt polierte Edelstahlwalzen, zwischen denen die Papierbahn hindurchgeführt und mit mehr oder weniger Druck „gebügelt“ wird.

Gestrichene Papiere haben meist ein
Volumen zwischen 0,8 und 1,1.


Diese Papiere nennt man maschinenglatt oder – wenn sie so stark geglättet wurden, dass sie anfangen zu glänzen – satiniert. Trotzdem handelt es sich immer noch um „Natur-Papiere“. Das heißt: Die Fasern liegen immer noch offen und kreuz und quer übereinander, reflektieren das Licht in die unterschiedlichsten Richtungen und saugen die Druckfarbe tief ein. Das Ergebnis: Ein weiches Bild mit warmen Farben (s. a. [bluebook] Natur-Papier).

Womit und wie streicht man?

Der Strich wurde entwickelt, als Ende des 19. Jahr-
hunderts Fotografie und Reproduktion begannen, höhere Anforderungen an das Papier in Bezug auf Schärfe und Abbildungsqualität zu stellen. Dafür war eine Oberfläche notwendig, die u. a. glatter war als alles, was bisher bei Natur-Papieren erreichbar war. Deshalb entwickelte man aus Pigmenten wie Kaolin oder Kalziumkarbonat (heute wird auch Kunststoffdispersion eingesetzt) eine Streich-masse, die die Lücken zwischen den einzelnen Papierfasern ausfüllt.

Als Faustregel gilt bei Papieren ab ca.
100 g/qm ein Anteil von 2/3 Rohpapier
und 1/3 Strich

Die Streichmasse wird entweder noch während des Papierherstellungsprozesses (inline) oder in einer gesonderten Maschine (offline) auf das Rohpapier aufgetragen. Dieser Strich ist normalerweise matt. Um ihn zum Glänzen zu bringen, läuft auch das gestrichene Papier anschließend durch den Kalander und erhält dort eine Oberfläche, die so glatt ist, dass sie Licht gleichmäßig reflektiert. Für das Auge werden dadurch die Farben leuchtender und satter. Gleichzeitig verhindert der Strich, dass die Druckfarbe zu tief in das Papier eindringt und sich ausbreitet. Die Bilder werden dadurch schärfer (s. a. [bluebook] Natur-Papier, Stichwort Punktzuwachs).

Welcher Strich wofür?


Der Strich macht das Papier zum Spezialisten. Je nachdem, für welches Druckverfahren es später vorgesehen ist, enthält die Streichmasse heute Additive, die z. B. auf bestimmte Farben (z.B. lösemittel oder wasserbasierend) besonders gut reagieren oder auch den Strich extrem hitzebeständig machen (Laserdruck!). Deshalb ist es wichtig, dass bei der Papierauswahl auch über das geplante Druckverfahren gesprochen wird.

Die Abbildung oben zeigt Blasen, die ein glänzendes Bilderdruck-Papier während des Rollen-Offsetdrucks geworfen hat.


Matt oder glänzend?


Ob man sich für ein glänzend, seidenmatt, matt oder auch – wie Galaxi Keramik – „glatt“ gestrichenes Papier entscheidet, hat sowohl ästhetische wie praktische Gründe.

 

Glänzend gestrichene Papiere signalisieren allein schon durch ihre Oberfläche eine besondere Wertigkeit. Glänzendes Papier heißt jedoch nicht unbedingt glänzende Abbildungen. Es gibt durchaus glänzend gestrichene Papiere, auf denen die Abbildungen matt erscheinen. Das kann zu besonders interessanten Kontrasten führen.

Den höchsten Glanz haben gussgestrichene Papiere. Sie werden offline gestrichen und kalandriert so lange der Strich noch etwas feucht ist. Glänzend und hochglänzend gestrichene Sorten sind allerdings durch die starke Reflexionskraft des Papiers nicht immer sehr lesefreundlich.

Die lesefreundliche Oberfläche von matt oder seidenmatt gestrichenen Papieren gibt deshalb manches Mal den Ausschlag für ihre Verwendung. Dies insbesondere, als mattes Papier nicht matte Abbildungen bedeuten muss.


Das Stichwort, auf das Sie hier achten sollten, heißt „Glanzzuwachs“. Je höher der Glanzzuwachs ist, desto größer der Unterschied im Glanz zwischen bedrucktem und unbedrucktem Papier.

Da matt gestrichene Papiere durch ihre „rauere“ Oberfläche stärker zum Scheuern neigen als glänzende, empfiehlt sich bei ihnen für viele Anwendungen ein schützender Lackauftrag.


Vorsicht Falle


Sie funkeln und glänzen oder bestechen durch die außergewöhnlichsten Oberflächen oder Einschlüsse – Image-Papiere. Doch das, was diese Papiere ausmacht, ist in der Regel weder Strich noch Oberflächenveredelung. Die phantasievollen Effekte entstehen durch Prägungen, durch die besondere Zusammensetzung oder Rezeptur des Papier-Breis, manchmal auch durch eine Kaschierung.


Technisch gesehen, sind die meisten Image-Papiere also Natur-Papiere – nur eben ganz besonders schöne. Und oftmals mit besonderen Anforderungen für den Druck. Für sie gilt deshalb grundsätzlich die Formel „r. t. f. m.“ – oder auch: Für optimale Resultate bitte schon in der Druckvorstufe die Druckempfehlungen lesen!