Stand: Fri Aug 18 18:15:35 CEST 2017

Falzen - Nuten - Rillen

Gute Planung ist alles


Unterm Mikroskop wird
deutlich: Hier ist der
Strich gebrochen.

Zu schmal gerillt:

Gequetschter Falz

Falz gegen die Laufrichtung

Rillwulst nach aussen (links) und innen (rechts)

Falzbruch auf dunkler
Farbfläche

Abgeplatzter UV-Lack
über dem Falz

Der Blick über den Tellerrand kann die eigene Arbeit deutlich verbessern – diese Erfahrung hat wohl jeder Kreative schon gemacht. Spätestens, wenn z. B. die tolle Artwork durch abplatzende Farbe entlang der Falzlinie verhunzt wurde, will man wissen, was da schiefgelaufen ist. Und worüber der Drucker überhaupt redet.


Der Falz bricht immer


Die beim Falzen entstehende Linie nennt man Falzbruch. Das heißt: Bruch gibt es immer. Doch gerade bei gestrichenen Papieren und Karton ab 170 g/qm kann ausgeprägter Falzbruch eine ganze Druckauflage unbrauchbar machen. Um dies zu verhindern, bereitet man das Material für das Falzen vor: Indem man es nutet oder rillt.


Nuten


Beim Nuten schneidet man entlang der künftigen Falz Material aus dem Karton heraus. Dieses Verfahren ist heute im Druckgewerbe nur noch bei extrem dicken Materialien (ab ca. 5 mm Stärke) üblich. Stattdessen setzt man meist auf das


Rillen


Beim Rillen wird der Karton an der Falzlinie verdichtet oder verdrängt. An den Rändern der Rille baut sich eine Wulst auf, die beim Falzen das Aufreißen des Materials verhindert.


Generell gilt


  • Gerillt wird ab 170 g/qm bei Papier oder Karton aus Frischfasern.
  • Bei Recycling-Qualitäten empfiehlt es sich wegen der kürzeren Fasern schon ab 150 g/qm.
  • Tiefe und Breite der Rille sind auf die Bogenstärke abgestimmt.
  • Zu schmale Rillen lassen den Falz aufbrechen oder verursachen unschöne Quetschfalten am Rillwulst.
  • Gefalzt wird möglichst immer entlang der Laufrichtung. So bricht der Strich weniger stark auf, und Buchblöcke werden beim Binden nicht wellig.
  • Falze werden schöner, wenn die Rillwulst nach innen zeigt.


Die meisten der hier genannten Punkte werden für Kreative glücklicherweise erst dann relevant, wenn sie versuchen, im Fachgespräch mit dem Drucker die Ursache für missglückte Falze zu ermitteln. Doch sie können auch aktiv dazu beitragen, dass ein Druck-Objekt nach dem Falzen noch gut aussieht.


  • Das Layout so anlegen, dass mit der Laufrichtung des Papiers gedruckt und gefalzt werden kann.
  • Auf den Falzlinien möglichst

    • wenig Farbe verwenden. Durch die Farbtrocknung wird das Material spröder und bricht schneller.
    • keine dunklen Flächen anlegen. Wenn dies unvermeidlich ist, evtl. schon bei Flächengewichten unter 170 (150) g/qm rillen.
    • keine Lackierung einplanen. UV-Lackierung z. B. wird so hart, dass sie im Falz wie Glas zerspringt.