Stand: Wed Nov 22 06:32:43 CET 2017

Holzfreie Papiere

... wird auch aus Holz gemacht



Zellulose (C6H10O5)n ist der Haupt-
bestandteil von pflanzlichen Zellwänden (Massenanteil 50%) und damit die häu-
figste organische Verbindung der Erde.

Holzfreie Papiere werden ausschließlich aus Zellstoff (Zellulose) hergestellt. Sie enthalten also keine festen Holzbestandteile. Trotzdem braucht man Holz für die Herstellung von holzfreien Papieren - als Rohmaterial, aus dem der Zellstoff hergestellt wird.


Um Zellstoff zu gewinnen, wird Holz zunächst mechanisch in Hackschnitzel zerkleinert. Diese werden dann mit einer Kochflüssigkeit imprägniert und unter Druck bei hoher Hitze über mehrere Stunden gekocht. Dabei löst sich der Holzverbund, und die Zellulosefasern werden freigelegt.


Auch nach dem Kochprozess befinden sich im Zellstoff noch geringe Mengen an Reststoffen wie Lignin (läßt das Papier vergilben und brüchig werden) oder organische Säuren. Diese für das Endprodukt unerwünschten Stoffe müssen entfernt werden.


Deshalb wird die Zellulose weiter gewaschen, sortiert, gereinigt und in mehreren Schritten gebleicht. Durch die Bleiche erhält die Zellulose die erforderliche Qualität: Ihre Weiße und Geruchs- sowie Geschmacks-Neutralität.


Anschließend wird die Zellulose entweder getrocknet und zu Platten gepresst oder direkt über eine Pipeline an die Papierfabrik zur Herstellung von Papier und Karton geliefert.


Wie gut sich ein Holz für die Zellulose-Herstellung eignet, hängt nicht davon ab, ob es von Nadel- oder Laubbäumen stammt, sondern davon, wie dick seine Zellwände sind. Eukalyptus globulus zum Beispiel, eine in Portugal wachsende Eukalyptus-Art, hat besonders dicke Zellwände. Das Papier, das aus diesem Zellstoff hergestellt wird, ist deshalb besonders steif und dimensionsstabil. Es besitzt eine gute Blattformation, eine homogene Oberfläche und gutes Volumen.


Übrigens: Der Umkehrschluss, dass holzhaltiges Papier nun nicht aus Holz hergestellt wird, ist natürlich nicht erlaubt ;-). Im Unterschied zu holzfreiem Papier enthält es aber noch Holzfasern und viele der Reststoffe (siehe oben), die dazu beitragen, dass das Papier schneller vergilbt, weniger fest und weniger alterungsbeständig ist. Dafür weist es aber meist eine höhere Opazität auf.

Eukalyptus globulus


Links: Herkömmliche Papierfaser -
geringe Zellwanddicke
Rechts: Eukalyptus globulus Papierfaser
- hohe Zellwanddicke